Demonstrieren, nicht Bummeln!

Am 12. Februar 1933, keine zwei Wochen nach Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, demonstrieren auf dem Hauptmarkt noch 60.000 Menschen gegen den Faschismus. Der Aufruf dazu erfolgt durch die SPD und ihr nahestehende Organisationen. Noch drei Wochen später, kurz vor der letzten halbfreien Reichstagswahl, mobilisiert das sozialdemokratische Spektrum zu einer Massenkundgebung für die Demokratie, bei welcher der SPD-Reichstagsabgeordnete Ernst Schneppenhorst vor 30.000 Menschen den Faschismus scharf angreift – während dieser bereits sein Terrorregime aufbaut.

Schneppenhorst

Historische Bildquelle: StadtAN A44 C-06130-26

Während viele schwiegen, als den Nazis die Macht übergeben wurde, nahm der gelernte Schreiner und langjährige Gewerkschaftsaktivist Ernst Schneppenhorst (*1881) kein Blatt vor den Mund. Bei einer antifaschistischen Kundgebung am 2. März 1933 verdeutlichte er vor 30.000 Menschen, wie die Nazis den Reichstagsbrand dazu instrumentalisierten, die Verfolgung Andersdenkender zu rechtfertigen. Jahrelang drängte Schneppenhorst auf ein härteres Vorgehen gegen den Faschismus. So setzte er sich beispielsweise 1932 (als Reichskanzler von Papen die sozialdemokratische Regierung Preußens und damit eine der stärksten Bastionen der Demokratie entmachtete) für einen Generalstreik ein, musste dann aber mit ansehen, wie seine Partei lediglich einen „demonstrativen Bummel“ des Reichsbanners durch Mögeldorf und Zerzabelshof veranstaltete.

Schneppenhorsts Schlüsselfunktion als antifaschistischer Funktionär sprach sich bald bis zu den Behörden herum, und so wurde nach dem Verbot sozialdemokratischer Organisationen von 1933 die SA auf ihn angesetzt. Zunächst konnte er untertauchen und ein wichtiges Netzwerk mit anderen antifaschistischen Gruppen aufbauen, das im Kontext eines Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 wichtig werden sollte. Der Anschlag und die Umsturzpläne scheiterten jedoch. Ernst Schneppenhorst wurde festgenommen und im KZ Sachsenhausen interniert. Am 24. April 1945, nur zwei Wochen vor der Kapitulation des NS-Regimes, wurde er von einem SS-Kommando erschossen.