Vorsicht beim Abseilen in die Höhle

Oskar Pflaumer, Telegrafenmechaniker und Vater zweier kleiner Kinder, hilft einer kommunistischen Gruppe dabei, eine illegale Druckerei in einem Höhlenversteck im fränkischen Jura zu betreiben. Als der Zirkel am 16. August 1933 entdeckt wird, verhaftet man Pflaumer als einen der ersten von mehreren Dutzend Widerstandskämpferinnen und -kämpfern aus dem Umfeld der KPD. Im Alter von nur 29 Jahren stirbt er in den Morgenstunden des nächsten Tages an den Folgen der Folter durch die SA in der beschlagnahmten Wache des Arbeitersamariterbundes hinter dem heutigen Zeughaus.

Pflaumer

Historische Bildquelle: StatAN A38 F-56-10

Zusammen mit Ludwig Göhring und anderen vollbrachte Oskar Pflaumer eine der wohl spektakulärsten Leistungen des regionalen Widerstands gegen die Nationalsozialisten: Die Einrichtung einer illegalen, oppositionellen Druckerei – zunächst in einem Gartenhäuschen, kurz darauf in einer Höhle im fränkischen Jura. Dort druckte Göhring im Auftrag des kommunistischen Jugendverbandes ab Mai 1933 die „Blätter der Sozialistischen Freiheitsaktion“, um andere Informationen und Ansichten verbreiten zu können als die des herrschenden Regimes und seiner gleichgeschalteten Medien. Als gelernter Mechaniker hatte Pflaumer eine Strickleiter gebaut, mit der man für die nächtlichen Druckaktionen in die Höhle einsteigen konnte.

Die Übergabe der dritten Auflage der illegalen Blätter am Ostbahnhof misslang: Pflaumer und Göhring wurden verhaftet und gelangten in die Hände der SA. In der Nacht vom 16. zum 17. August 1933 brachte man sie zur Vernehmung in die von den Nationalsozialisten beschlagnahmte Wache des von ihnen verbotenen Arbeitersamariterbundes am Kornmarkt, band sie mit Stricken auf eine Tragbahre und folterte sie mit Gummiknüppeln und Ochsenziemern. Oskar Pflaumer starb noch in der gleichen Nacht an den Folgen der Misshandlungen.

Durch insgesamt über 40 Festnahmen nach ähnlichem Muster gelang es den NS-Behörden, die Kurier- und Kommunikationsinfrastruktur der Kommunistischen Partei innerhalb weniger Monate zu zerstören. Diese Art systematischer Vernichtung echter und vermeintlicher Gegner des NS-Regimes war vom ersten Moment an Teil der nationalsozialistischen Ideologie. Die ersten Opfer des Regimes waren Anhänger der KPD und anderer kommunistischer Organisationen, die bereits in der Weimarer Zeit zu den engagiertesten Gegnern der NSDAP gehört hatten. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 überzog eine Verhaftungs- und Gewaltwelle das Land; bis zum Jahresende befanden sich zwischen 60.000 und 100.000 Anhänger der KPD in den Gefängnissen und Konzentrationslagern des NS-Staates.